Übers Saarland nach Luxemburg.

3 05 2010

Endlich Feierabend, beziehungsweise Morgen. Nach der Arbeit reichte es gerade für eine Dusche und einen Kaffee zu Hause ehe es mit dem Auto direkt weiter nach Rheinfelden ging. Im Grenzstädtchen auf der Deutschen Seite, nur durch den Rhein vom Schweizerischen Rheinfelden getrennt wartete Kim auf mich. Zu zweit machten wir uns schliesslich auf in Richtung Luxemburg.

Nach einer ruhigen Fahrt auf der trotz gesperrtem Flugraum fast leeren Autobahn wurden wir kurz vor Strasbourg Zeuge eines spektakulären Unfalls. Ein vor uns fahrender Mercedes der A-Klasse gelangte auf eine Leitplanke am rechten Fahrbahnrand und wurde wie in einer Szene aus „Alarm für Cobra 11“ durch die Luft auf einen Acker katapultiert. Noch während sich das Auto überschlug hielten wir auf dem Pannenstreifen und bereiteten uns auf das Schlimmste vor, doch das ältere Ehepaar stieg innert Sekunden unverletzt aus und wir konnten unsere Reise fortsetzen.

Kurz nach Strasbourg verliessen wir die Autobahn und setzten unseren Weg auf Landstrassen fort. Dies da die Franzosen für ein kurzes Stück Autobahn eine verhältnismässig hohe Maut verlangen und die Überlandstrecke nicht wirklich viel anstrengender zu fahren ist. Viel zu früh erreichten wir schliesslich Neunkirchen, die zweitgrösste Stadt des Saarlandes.

Fussball, Deutschland, Oberliga Südwest, neuer Ground
17.04.10 Borussia VfB Neunkirchen / Saar – TuS Mayen
1:0 (0:0), 300 Zuschauer, Ellenfeldstadion, Neunkirchen

Im altehrwürdigen Ellenfeldstadion traf an jenem Samstagnachmittag die Borussia VfB Neunkirchen auf die TuS aus Mayen. Als hätte es nicht genügt dass wir ohnehin viel zu früh im Stadion waren wurde das Spiel auch noch mit 15-minütiger Verspätung angepfiffen, da das Schiedsrichtertrio mit dem Verkehr wohl nicht dasselbe Glück hatte wie wir. Das Spiel vor 300 Zuschauern verlief unspektakulär und endete mit einem 1:0-Erfolg des Heimteams. Der kümmerliche Haufen Neunkirchen-Fans blieb stumm und von Gästen war ohnehin nichts zu sehen.

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff ging die Reise weiter ins Grossherzogtum Luxemburg, wo uns kurz vor der Hauptstadt wie immer ein kurzer Stau erwartete. Die im Voraus gebuchte Jugendherberge (rund 20 Euro pro Person und Nacht) wurde rasch gefunden. Diese besticht durch ihre einmalige Lage direkt unter der Passerelle im Petrustal. Bem Einchecken merkte ich das sich wieder einmal mit einem „Sans Papiers“ unterwegs war, denn Kim konnte keinen einzigen Ausweis vorlegen, obwohl er sich im Ausland befand. Der freundliche Herr an der Rezeption drückte allerdings ein Auge zu, bemerkte aber dass die Gästeblätter in der Nacht jeweils peinlich genau von der Polizei geprüft werden. Nun konnte es endlich weiter zum Eishockey gehen.

Eishockey, Luxembourg, IIHF World Championship Div. III, neuer Ground
18.04.10 Luxemburg – Griechenland
1:2 (0:0, 0:1, 1:1), 1’215 Zuschauer, Patinoire de Kockelscheuer, Lëtzebuerg

In der Patinoire de Kockelscheuer, etwas ausserhalb der Stadt, war schon die ganze Woche WM-Stimmung. Zwar handelt es sich lediglich um die IIHF World Championship Div. III, also die D-WM, doch die Halle war dennoch praktisch ausverkauft. Dies lag unter anderem daran dass einer der beiden Kontrahenden im Abendspiel das heimische Nationalteam war. Gegner war Griechenland. Das Spiel verlief auf wie erwartet unterirdischem Niveau. Jeder Pass der sein Ziel erreichte war pure Glückssache. Die Stimmung war allerdings beachtlich gut. Die Halle war in zwei Hälften geteilt: Auf der einen Seite die Luxemburger, welche ihr Team lautstark unterstützten, auf der anderen Seite unzählige mit Bussen angereiste Deutsche „Icehopper“, welche doch ein recht peinliches Bild abgaben (zumindest viele davon). In einem spannenden Finish ging dann doch Griechenland als Sieger vom Platz und sicherte sich den zweiten Schlussrang hinter Irland.

Nach dem Spiel reichte es noch für eine nächtlichen Stadtbummel durch die wunderschöne Altstadt Luxemburgs und für die verzweifelte Suche nach etwas Essbarem. Jegliche Imbissstände und Restaurants scheinen hier bereits weit vor Mitternacht zu schliessen, sogar am Samstagabend.

Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht und einem wie in Jugendherbergen gewohnt reichhaltigen Frühstück wurden die Sehenswürdigkeiten der Stadt im Schnelldurchlauf besichtigt (zum ersten Mal beim 6.Besuch dieses Landes!). Ein kurzer Tankstopp musste natürlich auch noch sein, da die Spritpreise in Luxemburg zu den billigsten Europas gehören. Anschliessend machten wir uns auf den Weg ins französische Montbéliard, wo wir dem Spiel der Zweitvertretung vom FC Sochaux-Montbéliard beiwohnen wollten. Vor Ort suchten wir das Stade René Blum jedoch vergeblich. Auch mein Navi kannte die Adresse nicht und die Passanten kannten alle nur das „grosse“ Stadion, beziehungsweise wollten uns weis machen dass das „kleine“ direkt daneben liegt. Da zu allem Übel noch Karneval in der Stadt war und viele Strassen gesperrt waren zogen wir es vor dem vorher gesichteten Stade Pierre Maigret einen Besuch abzustatten. Auch hier gab es eine schöne kleine Tribüne zu sehen, obschon die Spielklasse doch etwas tiefer war.

Fussball, Frankreich, 1ère Division Belfort-Montbéliard, neuer Ground
18.04.10 Etoile Sporting de Bethoncourt – AS Nord Territoire
1:2 (1:1), ca. 50 Zuschauer, Stade Pierre Maigret, Bethoncourt

Die zweite Mannschaft von Etoile Sporting de Bethoncourt traf im heutigen Spiel der 1ère Division Belfort-Montbéliard auf die AS Nord Territoire und verlor dieses auch gleich mit 1:2. Zuschauer fanden sich nur wenige im Kleinstadion mit Sandlaufbahn ein. Den Kaffee gabs für unschlagbare 50 Cent und auf die Pommes Frites aus dem Imbisswagen vor dem Stadion musste ich rund 20 Minuten warten, da das Benzin für den Generator ausging und offensichtlich auch kein Geld da war um welches zu beschaffen.

Nach dem Spiel wurden wir von ein paar Jugendlichen angepöbelt. Ich hatte schnell Ruhe, doch Kim wurde, vermutlich auch wegen seines „sportlichen“ Outfits mehr oder weniger aus dem Stadion gejagt. Danach war der Spuk auch vorbei und wir machten uns gemütlich auf den Weg nach Hause.