Laos, die unbekannte Schönheit.

26 02 2012

Kaum aus dem Zug ausgestiegen kamen auch schon die ersten Tuk Tuk-Fahrer, welche uns laminierte Preislisten für die Fahrt zur Freundschaftsbrücke unter die Nase hielten. 2 jungen Spaniern mussten wir gleich mal erklären wie das läuft und dass die 100 THB die sie beinahe bezahlt hätten viel zu viel seien. Wir einigten uns auf 15 THB pro Nase (immer noch zu viel), doch wenn wir gewusst hätten dass die Brücke so nahe ist hätten wir auf ein Fahrzeug verzichtet.

An der Freundschaftsbrücke, bei der der Mekong die Grenze zwischen Thailand und Laos markiert gab es den Ausreisestempel Thailands. Mit dem Bus ging es für 20 THB über die Brücke. Interessant war die Kreuzung auf der laotischen Seite, denn dort wurde von Links- auf Rechtsverkehr gewechselt.

In Laos wollten wir uns erst einmal ein Visum für 36 USD holen. Bei den beiden Iberern klappte das auch ganz normal, doch uns wollte die Dame am Schalter keines geben. Nicht weil wir keines bekommen würden, sondern weil wir auf unserem Antrag als Aufenthaltsdauer 14 Tage angegeben hatten, und Schweizer brauchen, anders als EU-Bürger, für Aufenthalte bis 14 Tage kein Visum. Da wir eben 36 USD gespart hatten zahlten wir die 40 THB „Einreisegebühr“ doch gerne.

Und da war auch die Tuk Tuk-Mafia wieder, dieses Mal mit laotischen Nummernschildern. Wir entschieden uns jedoch für den öffentlichen Bus, welcher uns für 20 THB relativ zügig ins Zentrum der 22 Kilometer entfernten Hauptstadt Vientiane brachte.

Der erste Eindruck von Laos war durchaus positiv. Hier steckt der Tourismus (je nach Stadt) noch in den Kinderschuhen, die ohnehin nicht aufdringlichen Händler akzeptieren ein Nein und Vientiane ist auf jeden Fall die ruhigste und nach Singapur wohl auch sauberste Hauptstadt Südostasiens. Leider gehört das Land auch zu den ärmsten der Welt.

Wir verabschiedeten uns von den Spaniern welche sich mit dem wohl billigsten Dorm der Stadt zufrieden gaben und suchten uns ein Zimmer. In einem edlen Hotel wurde uns das Zimmer für 34 USD angeboten (inkl. Frühstück). Dies wäre eigentlich ein Tagesbudget, doch irgendwie wollten wir uns wenigstens eine Nacht in dieser Traumherberge gönnen. Vom Frühstücksbuffet durften wir uns gleich bei der Ankunft bedienen (oder besser gesagt: Wir wurden bedient).

Nach ein paar Stunden Schlaf dann der Schock. Die Lao League, die oberste Spielklasse des Landes sollte nicht wie erwartet im Nationalstadion vor der Haustüre sondern im 16 Kilometer entfernten neuen Nationalstadion spielen. Paarungen oder Anspielzeiten gab es keine, nur einen Rahmenspielplan vom Verband.

Wir marschierten also erst einmal zum alten Nationalstadion, wo eigentlich alles nach Spielbetrieb aussah. Doch man wollte uns nur das Spiel zwischen den Botschaftern von Laos und Vietnam schmackhaft machen. Auch hier hiess es „Lao League, KM 16-Stadium“. Immerhin erklärte man uns dass am Samstag und Sonntag die neugegründete zweite Liga, die University League hier spielen sollte.

Unser Hotelpage rief uns auch gleich ein Tuk Tuk. Dies hätte er besser nicht machen sollen, denn der Tuk Tuk-Fahrer der ständig vor dem Hotel wartet fühlte sich natürlich übergangen, zumal er direkt am Stadion wohnt. So einigten wir uns bevor die beiden aufeinander los gingen auf eine Abfindung für die Anfahrt für Fahrer 1 und einen viel zu hohen Betrag für die Fahrt zum Stadion und zurück für Fahrer 2.

Fussball, Laos, Lao League, neuer Ground und Länderpunkt
17.02.12 Ezra FC – SIAW FC
9:2 (8:1), ca. 120 Zuschauer, New Laos National Stadium, Vientiane

Am Stadion wurde tatsächlich um 15:00 ein Spiel der obersten Liga angepfiffen. Die Anzeigetafel war sowohl in Krakelschrift als auch in lateinischen Buchstaben, weshalb die mühsame Fragerei nach den Namen der Teams entfiel. Unser Fahrer war kurz zuhause um etwas zu trinken oder ein Nümmerchen zu schieben und gesellte sich währen dem Spiel zu uns ins Stadion, der Eintritt war ja frei. Er schwärmte von den ausverkauften Spielen währen den Südostasienspielen 2009 (deshalb wurde das sehr ansehnliche Stadion gebaut) und fragte sich wohl immer wieder warum sich Europäer so einen Rotz anschauen.

Zurück in der Stadt wurde erst einmal gut und lange geschlafen, aber nicht zu lange, sonst hätten wir ja das leckere Frühstücksbuffet verpasst welches die hübschen Laotinnen zubereitet hatten. Anschliessend suchten wir uns ein billigeres, aber trotzdem schönes Zimmer (130‘000 KIP inkl. Frühstück, 1 CHF = ca. 8‘900 KIP) und liefen noch einmal zum alten Nationalstadion.

Fussball, Laos, University League, neuer Ground
18.02.12 Kavin College – Subphavisa College
2:1 (2:0), ca. 400 Zuschauer, Laos National Stadium, Vientiane

Ein hilfsbereiter Student der vermutlich lieber eine Studentin wäre notierte uns die Paarungen und so gönnten wir uns bis zum Anpfiff das eine oder andere Beerlao (Nationalbier) während David die Nachwuchstalente im nationalen Tenniscenter bestaunte.

Die Bierflasche kam dann auch gleich mit ins Stadion, wo sich bereits etwa  400 Studenten zweier Universitäten die Seele aus dem Leib schrien. Am Megafon standen übrigens Vorsängerinnen, welche nebst Schlachtrufen auch mal die eine oder andere Jennifer Lopez-Imitation zum Besten gaben. Das Spiel war vom Niveau gar etwas besser als jenes vom Vortag, verdient es aber kaum näher darauf einzugehen.

Nachdem das Thema Fussball in Laos abgehakt war widmeten wir uns den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Zu denen zählt vor allem das Siegestor Anousavari, welches stark an den Arc de Triomphe in Paris erinnert. Für 3‘000 KIP durfte man die Plattform besteigen, welche ein schöne Aussicht auf die Hauptstadt bietet. Rund um den Bogen befindet sich ein Park in dem sich die Bevölkerung zu allerlei Aktivitäten oder einfach zum Relaxen trifft. Etwas weiter hinten befindet sich der World Peace Gong.

Wir marschierten weiter nordöstlich und erreichten den That Luang, den erwürdigen Stupa, das bedeutendste religiöse Symbol des Landes. Ein wunderschöner goldener Stupa, umringt von einer Reihe Vats (Tempeln). Vor dem That Luang befindet sich ein riesiger Platz auf dem vermutlich Paraden abgehalten werden.

Den Abend liessen wir bei gutem Essen und Beerlao während des Sonnenuntergangs am Mekong ausklingen. Der Mekong ist momentan ein ganzes Stück von der Hauptstrasse entfernt, doch während der Regenzeit klopft der gewaltige Strom an die Haustüren der Bewohner.

Nach 3 Nächten in Vientiane fuhren wir mit einem Minibus nach Vang Vieng (35‘000 KIP). Wir dachten dies wären die schlimmsten Strassen gewesen die es gibt wurden aber im Verlauf der Woche eines Besseren belehrt. Ansonsten war die Fahrt eigentlich ganz angenehm.

In Vang Vieng suchten wir uns ein schönes Gästehaus in der Nähe des Flusses und wurden im Grand View Guesthouse für 100‘000 KIP pro Zimmer/Nacht fündig. Nebst einem riesigen Zimmer gehörten auch ein Balkon und blitzschnelles WiFi zu Ausrüstung dieser schönen Unterkunft. Wir erinnern uns immer wieder gerne daran zurück mit welchen Absteigen wir uns vor 3 Jahren zufrieden gaben. Für nur etwas mehr Geld gibt es manchmal halt schon massiv schönere Zimmer.

In Vang Vieng kann man nebst einigen Ausflügen für die besonders Aktiven genau 2 Dinge machen: Saufen oder Tubing. Hier bleibt aber hinzuzufügen dass Tubing eigentlich nichts anderes als ein anderer Name für Saufen ist. Doch dazu später. Da schon Abend war liessen wir uns noch zu einem kostenlosen Whiskey Bucket (Eimer) in der Bucket Bar überreden. Und wen trafen wir dort? Die zwei Spanier, total pleite an einem Gratis-Bucket rumnuckeln. Wir hatten Erbarmen und luden sie auf das eine oder andere Getränk ein, kostete ja kaum etwas. Und schon war wieder früher Morgen und der Schädel tat weh.

Nun ging es zum Tubing. Für 115‘000 KIP (davon 60‘000 KIP Depot für den Tube) wurde man per Tuk Tuk zum Startpunkt etwa 4 Kilometer vom Zentrum gebracht und konnte sich in einem Tube (LKW-Schlauch) den Fluss hinuntertreiben lassen. Unterwegs bieten rund 15 Bars Musik und Hochprozentiges. Nun ja, wir sind genau 100 Meter gekommen, denn die ersten 4 Bars sind das Epizentrum. Der Tube und somit auch das Depot war schnell vergessen und bis in den Abend wurde ausgiebig gefeiert.

Am nächsten Tag wiederholte sich das Ganze (dieses Mal natürlich gleich ohne Tube). Auch wer keinen Alkohol trinkt sollte sich das Tubing nicht entgehen lassen, denn sowohl die kultigen Bars als auch der ruhige, klare Fluss sind definitiv einen Besuch wert.

Nachdem unser Körper durch die üblichen Symptome um Hilfe schrie liessen wir den letzten Tag ruhig angehen und besuchten eine unspektakuläre Höhle nahe der Stadt und genossen einfach die wunderschöne Landschaft um Vang Vieng. Denn auch wenn 90% der Touristen wegen der Party hier sind ist man doch innert wenigen Fussschritten an einem total ruhigen Ort und kann die unglaublichen Lichtverhältnisse auf sich wirken lassen.

Mit einem weiteren Minibus fuhren wir schliesslich innert etwa 6 Stunden für 105‘000 KIP nach Luang Prabang. Die wohl bekannteste Touristenstadt von Laos und Weltkulturerbe mussten wir uns hart verdienen, denn die meist unasphaltierten Bergstrassen waren der Horror.

Luang Prabang enttäuschte uns jedoch. Hier ist alles viel teurer als im Rest des Landes, das Personal in den Restaurant kann man für nichts gebrauchen und fragt trotzdem nach Trinkgeld und die hochgelobten Tempel sind nun rein gar nichts zu denen in anderen Städten Südostasiens. Trotzdem ist die Stadt selbst eigentlich ganz schön.

Hier gönnten wir uns ein paar Tage Ruhe in einem schlichten, aber sympathische Gästehaus (130‘000 KIP Zimmer/Nacht) und schlugen uns auf dem Nachtmarkt den Bauch mit einheimischen Spezialitäten voll.

Nun ist es Sonntagabend und am nächsten Morgen geht unser Bus zurück an die thailändische Grenze. Vielleicht bleiben wir noch eine Nacht in Vientiane, doch da ich gerade so motiviert bin habe ich den abschliessenden Blog über eines der schönsten Länder unserer Tour bereits jetzt hochgeladen.