Ein Wochenendausflug nach Andorra: 2’500 Autokilometer in 48 Stunden.

26 09 2017

Auch dieser Beitrag ist schon ziemlich genau 10 Jahre alt, es war das verhängnisvolle Wochenende an dem ich David, Reto und Andrea kennenlernte.

Endlich sollte es soweit sein. Schon lange hatten wir unsere Autobesatzung für die Fahrt in den Zwergstaat in den Pyrenäen zusammen. Doch nachdem am Donnerstag zuvor bereits Einer absagte, kam am Freitag noch jemand hinzu. Kurzfristig konnte ein Ersatzmann gefunden werden, doch ein Platz schien bei der Abfahrt leer zu bleiben.

Da brachte Lukas die Idee ins Spiel, Andrea zu fragen, welche vorher mit Ihnen am Spiel SC Cham-FC Gossau in Zug war. Und siehe da, diese sagte auch gleich zu. So fuhren wir, das waren Lukas, Reto, David und Ich, wieder zurück nach Zug um Andrea abzuholen.

Etwa eine Stunde später als geplant, aber mit immer noch massivem Zeitüberschuss machten wir uns also auf den Weg Richtung Süden. Die Fahrt verlief trotz des Bahnstreiks in Frankreich ohne Stau, und nach dem Reto für rund zwei Stunden das Steuer übernommen hatte, genehmigten wir uns ein Frühstück in der Nähe von Montélimar.

Die zweite Hälfte der Fahrt bei strahlendem Sonnenschein war nun auch Einiges angenehmer, und das Panorama, welches man auf der Strecke zwischen Perpignan und Andorra geniessen durfte, entschädigte uns für die ganzen Strapazen bei Weitem. Insbesondere die Fahrt über den Port d’Envalier, welcher mit 2407 Metern der höchste Pyrenäenpass ist, bot uns eine herrliche Aussicht.

Vorbei an malerischen Städtchen und Festungen, erreichten wir gegen Mittag schliesslich das Fürstentum zwischen Frankreich und Spanien, welches flächenmässig als grösster der sechs Europäischen Zwergstaaten gilt. Auf dem Weg durch das schmale Tal machten wir unterwegs einen Halt, um die einzige Eishalle des Landes, den Palau de Gel in Canillo zu besichtigen. Dabei handelt es sich um einen Multikomplex, welcher neben der Eishalle auch ein Kino und ein Schwimmbad beinhaltet. Sogar Eishockeymeisterschaftsspiele finden hier statt.

Nun versuchten wir unser zuvor gebuchtes Hotel in Escaldes-Engordany zu finden, was sich als äusserst schwierig herausstellte. Zum einen hatte ich mit diversen abgesperrten Strassen zu kämpfen, zum anderen war es schwierig herauszufinden, wo Escaldes-Engordany aufhört und Andorra la Vella anfängt. Das ganze Prozedre gipfelte darin, dass mich eine Verkehrspolizistin mitten auf einer Kreuzung auf Katalanisch zusammenstauchte, da sie mich zuvor in verkehrter Richtung aus einer Einbahnstrasse hatte kommen sehen.

Nach dem Check-In fuhren wir zuerst mal in das Nachbardorf Sant Julià de Lòria, um das Stadion des zweiten Spiels ausfindig zu machen, schliesslich sollte man zwischen den beiden Spielen am Abend nur wenige Minuten Zeit für den Transfer haben.

Nun ging es also zum Nationalstadion. Kaum hatten wir das Auto geparkt, trafen wir auch schon auf die ersten Groundhopper aus Hamburg. Im späteren Verlauf des Abends sollten es noch einige mehr werden.

Da es noch über zwei Stunden bis zum Anpfiff dauerte, machten wir es uns erstmal in einem nahe gelegenen Restaurant gemütlich, während die Deutschen den Fast Food-Riesen mit dem gelben M bevorzugten. Für einmal muss ich jedoch sagen, dass wir es nun waren, welche mit einem ungeniessbarem Essen zu kämpfen hatten. Die Pommes Frites waren schlichtweg kalt, und das was auf der Karte als Kanninchen deklariert war, ähnelte dem was übrig bleibt, nachdem man ein Hühnchen gegessen hat.

Fussball, Andorra, Euro 08-Quali, neuer Ground und Länderpunkt
17.11.07 Andorra – Estland
0:2 (0:1), 200 Zuschauer, Estadi Comunal, Andorra la Vella

Um 18.00 Uhr wurde auch endlich das Spiel der Qualifikation zur Europameisterschaft in Östereich und der Schweiz angepfiffen. Auf dem Platz standen sich Andorra und Estland gegenüber, welche beide keine Ambitionen mehr auf eine Teilnahme hatten. Andorra stand gar mit null Punkten und zwei geschossenen Toren als Tabellenletzter da.

In der ersten Spielhälfte dominierten die Esten, und gingen auch verdient mit 1:0 in Führung. Dieses Resultat hatte auch zur Pause noch Bestand. In der zweiten Hälfte machte Andorra etwas mehr Druck, ohne aber jemals gefährlich zu werden. Die logische Schlussfolgerung war das zweite Tor für die Balten, welche von rund 50 mitgereisten, und auch schon ziemlich angeheiterten Fans nach unterstützt wurden.

Während des Spiels traf man noch viele weiter Groundhopper aus Deutschland und Österreich, und man tauschte einige Anekdoten aus.

Fussball, Andorra, Segona divisió, neuer Ground
17.11.07 Inter Escaldes B – Sporting Club Escaldes
4:3 (2:2), ca. 50 Zuschauer, Camp d´Futbol d`Aixovall, Sant Julià de Lòria

Nun hatte man die ersten 90 Minuten in der klirrenden Kälte überstanden, und unmittelbar nach dem Apffiff machte sich der ganze Hoppertross auf in den Camp d´Futbol d`Aixovall, welcher seit dem Engagement eines Geldgebers auch als DEVK-Arena bezeichnet wird.
Hier finden sämtliche Ligaspiele des Landes statt, und an diesem Tag waren zwei Spiele der zweiten Liga angesetzt. Wir entschieden uns für das Erste um 20:00 Uhr, bemerkten aber recht schnell dass wir es nicht mehr rechtzeitig zum Anpfiff schaffen würden. Doch weit gefehlt. Was sich nun abspielte hatte ich bisher noch nie erlebt. Das Spiel hätte bereits seit sieben Minuten laufen sollen, doch die beiden Mannschaften standen spielbereit auf dem Platz, und warteten bis sich auch der Letzte der rund 24 Hopper im Stadion eingefunden hatte. Immerhin machten wir somit mehr als die Hälfte der anwesenden Zuschauer aus.

Das Spiel der beiden Teams aus den Tiefen der Tabelle erwies sich überraschenderweise als Einiges besser als das Vorhergegangene. Nebst einigen spektakulären Toren bot das Spiel einen Unterhaltungswert welchen ich schon lange nicht mehr erleben durfte. So kam es zum Beispiel dass das „Heimteam“ mit neun Spielern noch den Siegtreffer erzielte. Zu neunt waren diese nach einer roten Karte und dem Ausfall eines Spielers. Ein Wechsel lag nicht drin, da schlicht und einfach keine Auswechselspieler vorhanden waren.

Halb durchgefroren verliessen wir das Spiel nach dem Abpfiff und stellten unser Gefährt auf sein Nachtquartier in der Nähe des Hotels, um das örtliche Nachtleben auszukundschaften. Doch dieses Unterfangen schien äusserst schwierig, gabe es doch nebenden hunderten von Geschäften, Cafés und Restaurants kaum eine Lokalität welche sich als würdig erwies den Abend darin zu verbringen. Man wechselte also nach jedem Bier das Lokal, und somit war der Abend nach vier Bier auch schon gelaufen.

Im Hotel genossen wir noch den aus der Provence mitgebrachten Wein und so schlief man in den frühen Morgenstunden innert kürzester Zeit ein.

Der nächste Morgen begann früh. Auf das Frühstück im Hotel verzichteten wir um uns kurz vor der Grenze zu Frankreich, in Pas de la Casa mit günstigen Lebensmitteln einzudecken. Nachdem ich auch endlich Briefmarken und Choriz (scharfe Wurst) für meinen Vater besorgen konnte, schossen wir noch ein paar Erinnerungsfotos vor dem Grenzschild, und fuhren die steilen Bergstrassen zurück zur Autobahn.

Unterwegs hielten wir für einen kurzen Besuch einem kleinen Städtchen, welches von riesigen Festungsmauern umgeben war. Hier gönnten wir uns auch eine Portion Crèpes mit Nutella beziehungsweise Zimt und Zucker, wobei Letzteres in Frankreich unbekannt zu sein scheint.

Fussball, Frankreich, CFA 2, neuer Ground
18.11.07 Nîmes Olympique 2 – GS Consolat Marseille
1:1 (0:0), ca. 100 Zuschauer, Stade Guy Secondi, Manduel

Pünktlich zu Spielbeginn fanden wir uns um 15:00 in Manduel ein, einem Vorort der Stadt Nîmes, wo sich die zweite Equipe von Olympique Nîmes und das Team von GS Consolat Marseille in einem Spiel der fünften Spielklasse Frankreichs duellierten.

Das Stade Guy Secondi ist architektonisch eine Katastrophe. Das Spielfeld ist von meterhohen Zäunen umgeben, und die Tribüne wird in der Mitte durch den Aufgang zu den Spielerkabine geteilt, so dass man von den beiden Seiten jeweils nur eine Hälfte des Spielfelds sah. Das langweilige Spiel endete mit einem 1:1 Remis und verdient keine weitere Erwähnung.

Nun stand der Heimweg an. Unterwegs hielten wir rund ein Stunde für ein Nachtessen, welches jenem in Andorra in Nichts nachstand. Kulinarisch kann ich wirklich keines der beiden Länder empfehlen.

Jetzt hiess es Gas geben, denn drei meiner Mitfahrer mussten noch den letzten Zug in Bern erwischen, und dieser wurde auf die Minute auch erreicht. Nachdem ich noch Lukas in seine neue Wohnung in Bern chauffiert hatte nahm ich die letzten neunzig Kilometer alleine auf mich und erreichte punkt Mitternacht das Städtchen Lenzburg.

Zu der Reise kann ich sagen: Ich war positiv überrascht. Vor allem hatten wir es mit unserer interkantonalen Autobesatzung auch durchgehend lustig. Ausserdem kannten sich zuvor nicht mal alle der Mitfahrer. Andorra würde ich im Winter sogar als Ferienziel empfehlen, denn für Wintersportler hat es hier alles was man braucht, ausser ein ausgedehntes Nachtleben.



Ein Tagesausflug in zwei geschichtsträchtige Stadien.

6 03 2016

Fussball, Deutschland, Regionalliga Südwest, neuer Ground
27.02.16 SV Saar 05 Saarbrücken – SpVgg Neckarelz
1:1 (0:0) , 120 Zuschauer, Stadion Kieselhumes, Saarbrücken

Nach längerer Fussballabstinenz sollten zusammen mit Haller und Chris zwei geschichtsträchtige Stadien besucht werden. Zum einen handelte es sich um das Stadion Kieselhumes in Saarbrücken. 1931 eröffnet diente es lange als Nationalstadion des Saarlandes und bot 35’000 Zuschauern Platz. Heute dürfen noch 6’000 Nasen ins längst zurückgebaute Rund, was den Ansprüchen des SV Saar 05 Saarbrücken bei weitem genügt, kamen doch gegen die SpVgg Neckarelz kaum 150 Interessierte.

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Fussball, Frankreich, CFA 2, neuer Ground
27.02.16 US Forbach – ASC Biesheim
1:1 (0:1), ca. 120 Zuschauer, Stade du Schlossberg, Forbach

Die zweite Perle steht auf dem Schlossberg im französischen Forbach. Das gleichnamige Stadion ist sogar noch 8 Jahre älter. 1958 kamen 9’753 Zuseher zum Spiel zwischen Forbach und Bordeaux. Durch das torlose Endresultat verpasste Forbach den Ausftieg in die oberste Spielklasse um einen Punkt. Heute spielt man in der CFA2, der fünfthöchsten Spielklasse und zählt selten mehr als 100-200 Fans.

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Ein stressiger Dreier im Grenzgebiet.

29 11 2015

Fussball, Deutschland, Verbandsliga Südbaden, neuer Ground
28.11.2015 SV Linx – 1. FC Rielasingen-Arlen
2:4 (2:0), 150 Zuschauer, Hans-Weber-Stadion, Rheinau

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Fussball, Frankreich, CFA2, neuer Ground
28.11.15 FCSR Haguenau – ES Thaon
1:1 (0:1), ca. 250 Zuschauer, Parc des Sports, Haguenau

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Fussball, Frankreich, Excellence A, neuer Ground
28.11.15 LS Molsheim – Olympique Strasbourg
1:1 (0:0), ca. 80 Zuschauer, Parc des Sports, Molsheim

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Halloween-Ausflug in die fünfte(n) Spielklasse(n).

2 11 2015

Fussball, Deutschland, Oberliga Baden-Württemberg, neuer Ground
31.10.15 Freiburger FC – FC 08 Villingen
0:1 (0.1), 260 Zuschauer, Dietenbach-Sportpark, Freiburg im Breisgau

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Fussball, Frankreich, CFA2, neuer Ground
31.10.15 ASC Biesheim – US Raon L’Etape
1:4 (1:1), ca. 100 Zuschauer, Stade Municipal, Biesheim

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Ein Ausflug ins verregnete Elsass.

23 11 2014

Stade Pierre de Coubertin in Wittenheim (hier hätte gespielt werden sollen).

Wittenheim, Kingersheim (1) Wittenheim, Kingersheim (2)

Wittenheim, Kingersheim (8)

Fussball, Frankreich, Coupe d’Alsace, neuer Ground
16.11.14 US Wittenheim – AS Sundhoffen
0:2 (0:1), ca. 120 Zuschauer, Complexe sportif Léo Lagrange, Wittenheim

Wittenheim, Kingersheim (10) Wittenheim, Kingersheim (13) Wittenheim, Kingersheim (14)

Fussball, Frankreich, Coupe d’Alsace, neuer Ground
16.11.14 FC Kingersheim – Racing HW 96
4:1 (1:0), ca. 200 Zuschauer, Stade de la plaine de foot, Kingersheim

Wittenheim, Kingersheim (16) Wittenheim, Kingersheim (17)



FC Sochaux-Montbéliard 2 – US Sarre-Union.

5 01 2014

Fussball, Frankreich, CFA, neuer Ground
05.01.13 FC Sochaux-Montbéliard 2 – US Sarre-Union
2:2 (1:1), ca. 300 Zuschauer, Stade René Blum, Montbéliard

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Dijon und Auxerre.

16 01 2013

Auch das zweite Wochenende des Jahres sollte im Land der Gallier verbracht werden. Als Mitfahrer konnte Haller gewonnen werden. Am Freitag steuerten wir das bereits zur Hälfte neugebaute Stade Gaston Gérard in Dijon an, aus welchem in absehbarer Zeit ein geschlossener All Seater wird. Hier überraschte der billige Eintrittspreis von 1 Euro (!) für nicht einmal schlechte Stehplätze am Spielfeldrand.

Fussball, Frankreich, Ligue 2, neuer Ground
11.01.13 Dijon Football Côte-d’Or – Le Mans FC
3:0 (1:0), 7’721 Zuschauer, Stade Gaston Gérard, Dijon

Nach einer Nacht im nahegelegenen Hotel Formule 1 (27 Euro fürs Dreierzimmer) ging die Fahrt auf Landstrassen durch eine landschaftlich sehr schöne Gegend nach Auxerre. Hier sprang uns schon bei der Anfahrt die riesige Kathedrale Saint-Étienne ins Auge, welche die ganze Stadt überthront. Unser Ziel war aber das nach dem Priester und Vereinsgründer der AJ Auxerre, Ernest-Théodore Valentin Deschamps benannte Stadion.

Fussball, Frankreich, Ligue 2, neuer Ground
12.01.13 AJ Auxerre – SM Caen
1:2 (0:0), 5’057 Zuschauer, Stade de l’Abbé Deschamps, Auxerre

Nach dem eher trostlosen Spiel gönnte man uns noch ein Spiel der vierthöchsten Spielklasse auf dem Nebenplatz, welcher gar mit einer Tribüne aufwartete. Gast war die ASM Belfort.

Fussball, Frankreich, CFA, neuer Ground
12.01.13 AJ Auxerre 2 – ASM Belfort
1:3 (1:1), ca. 300 Zuschauer, Stade de l’Abbé Deschamps (Annexe 3), Auxerre

 



Eröffnung des Hoppingjahres in Frankreich.

7 01 2013

Das erste Januarwochenende ist traditionell der Zeitpunkt an dem die Teams aus der Ligue 1 und Ligue 2 in den Coupe de France eintreten. An diesem zweitwichtigsten Fussballwettbewerb Frankreichs nehmen seit 1917 jeweils rund ein Drittel der etwa 20’000 Vereine Frankreichs teil. Dies beinhaltet auch die Teams aus den Überseegebieten Guadeloupe, Guayana, Martinique, Mayotte, Neukaledonien, Polynesien, Réunion sowie der Mittelmeerinsel Korsika.

Fussball, Frankreich, Coupe de France 1/32 Finals, neuer Ground
05.01.13 ASM Belfort FC – Le Havre AC
1:3 (0:0), 2’450 Zuschauer (Stadionrekord), Stade Roger Serzian, Belfort

Das viertklassige Belfort schnupperte lange Zeit an einer Überraschung, ehe der Zweitligist Le Havre kurz vor Schluss noch 2 Tore erzielen konnte. Das Stade Roger Serzian erlebte mit 2’450 Schaulustigen seine bisherige Rekordzuschauerzahl.

Fussball, Frankreich, National
05.01.13 SR Colmar – ES Uzès Pont du Gard
1:1 (1:0), 2’000 Zuschauer, Colmar Stadium, Colmar

Nach einer rund einstündigen Fahrt wurd das Colmar Stadium erreicht. Hier waren wir doch etwas überrascht über die hohe Zuschauerzahl. Das Spiel der dritten Liga wollten sich über 2’000 Zuschauer nicht entgehen lassen. Im Gegensatz zu meinen beiden Mitfahrern hatte ich das Stadion bereits vor vielen Jahren einmal besucht, damals jedoch vor einer Kulisse von knapp 100 Zuschauern. Trotz langer Überzahl reichte es am Ende nur zu einem Unentschieden für den Aufstiegskandidaten aus dem Elsass.

Es folgte eine längere Fahrt auf Nationalstrassen (unter anderem über den nebligen Col de la Schlucht). Nach einer erholsamen Nacht im Billighotel Formule 1 im Norden von Épinal (3er-Zimmer 31 Euro) und etwas Sightseeing führte uns der Weg zum Stade de la Colombière. Bereits am Abend zuvor meldete der Verein ein ausverkauftes Haus. 7’000 vorwiegend einheimische Fans erhofften sich zumindest eine gute Leistung des zweitletzten der dritten Liga gegen den Titelverteidiger aus Lyon.

Fussball, Frankreich, Coupe de France 1/32 Finals, neuer Ground
06.01.13 SAS Épinal – Olympique Lyonnais
4:2 n. P. (2:2, 3:3), 7’000 Zuschauer (ausverkauft), Stade de la Colombière, Épinal

Nach knapp 15 Minuten waren diese komplett aus dem Häuschen als der Underdog bereits auf 2:0 erhöhen konnte. Wie erwartet glich Lyon innert kürzester Zeit aus und ging durch einen umstrittenen Elfmeter doch noch in Führung. Das Stadion bebte nochmals als Épinal kurz vor dem Ende ausgleichen konnte. Es ging in die Verlängerung, welche allerdings ohne Tore endete. Nun war alles offen. Die Fans trauten ihren Augen kaum als der krasse Aussenseiter den entscheidenden Penalty versenkte und somit die übermächtige Millionentruppe bereits in der 1. Runde aus dem Wettbewerb warf.



Côte d’Azur, Österreich und Ungarn an einem Wochenende.

7 04 2012

Kaum war meine zweite Weltreise Geschichte zog es mich bereits wieder weg von daheim. Schliesslich habe ich ja noch über einen Monat Zeit ehe das Arbeitsleben wieder ruft. Bereits in Malaysia hatte ich für weniger als 200 Schweizer Franken 2 Flüge und 1 Nachtzugreise gebucht. Ziel war es endlich den umstrittenen Länderpunkt Monaco abzuhaken und die österreichische Bundesliga im zweiten Anlauf zu komplettieren.

Mit Easy Jet ging es am Freitag ausgeschlafen nach Nizza an der französischen Côte d’Azur. Mit dem Flughafenbus fuhr ich für 4 Euro in die City. Das Ticket gilt dann auf allen Linien der Lignes d’Azur, also auch bis Cap d’Ail, dem Grenzort unmittelbar vor Monaco.

Ohne Probleme fand ich die Wohnung von Riccardo, dem Couchsurfer bei dem ich die Nacht verbringen durfte. Riccardo stammt ursprünglich aus Rom und erwartete mich bereits mit leckerer Pasta und etwas Vino. Danach führte er mich etwas in der schönen Stadt herum. Wenig begeistert war er von Nizzas Einkaufsmeile:„Das ist die Globalisierungsstrasse. Hier kriegst Du alles was Du überall auf der Welt auch kriegst.“ meinte er.

Anschliessend brachte mich der überfüllte Bus entlang der Küste ins Fürstentum Monaco. Obwohl mein Ticket nur bis Cap d’Ail gültig war fuhr ich bis Monaco, das Stadion liegt ja unmittelbar an der Grenze zu Frankreich. Ich vertrieb mir die Zeit mit etwas Sightseeing und musste staunen wie hässlich der total verbaute Stadtstaat doch eigentlich ist. Selbst das Stade Louis II sieht genau gleich aus wie die restlichen Gebäude. Es befindet sich übrigens etwas erhöht auf dem Dach einer Tiefgarage, einer Sporthalle und einem Hallenbad.

Fussball, Monaco, Ligue 2, neuer Ground und Länderpunkt
23.03.12 AS de Monaco FC – LB Châteauroux
2:1 (1:0). 4’073 Zuschauer, Stade Louis II, Monaco

Für 5 Euro gab es ein Ticket in der Kurve. Doch spätestens seit dem Abstieg in die 2. französische Liga scheint sich niemand mehr für den einst so erfolgreichen Verein zu interessieren. Gut 4‘000 Zuschauer sollen es an dem kalten Abend gewesen sein. Ich hätte knapp 1‘000 geschätzt. Am Ende gewann die AS gegen LB Châteauroux mit 2:1, doch mit dem Aufstieg wird es dieses Jahr wohl nix.

Nach einer kurzen, aber erholsamen Nacht offerierte Riccardo mir Kekse und 2 richtige italienische Espressi zum Frühstück ehe es mit dem Bus zum Flughafen ging. Dieses Mal aber für lediglich 1 Euro, denn der normale Bus (59 und 70) hält nur wenige Meter vor dem Flughafen am Boulevard d’Anglais, gesagt wird dies den Touristen natürlich nicht.

Obwohl ich mit TUIfly gebucht hatte stand am Terminal 1 eine Maschine der Airline NIKI bereit. Eigentlich ein Glücksfall, denn vom Check-In welcher keine 20 Sekunden dauerte über die Freundlichkeit der hübschen Flight Attendants und die Zweiersitzreihen bis hin zum leckeren und kostenlosen Sandwich gab es bei dieser Vorzeige-Günstigairline nun rein gar nichts auszusetzen. Sogar rund 20 Minuten zu früh setzten wir in Wien-Schwechat auf und aus den Boxen ertönte die inoffizielle österreichische Nationalhymne „I am from Austria“ von Reinhard Fendrich.

Mit der S-Bahn ging es erst einmal zum Südbahnhof, von dem ich wusste dass er momentan „umgebaut“ wird. Das wollte ich mir doch einmal anschauen. Doch dort wo sich früher Sandler und Dealer rumtrieben und die Züge nach Bratislava und Prag fuhren klafft momentan eine riesige Baugrube. Daneben befindet sich ein provisorischer Bahnhof. In Zukunft wird hier der neue Wiener Hauptbahnhof stehen.

Über Meidling ging es weiter nach Wiener Neustadt, dem wir bereits vor 2 Jahren einen Besuch abstatteten. Leider wurde das Spiel damals kurzfristig abgesagt. Grund dafür war starker Nebel. Da die für 21 Euro (Einzelzimmer mit Frühstück) gebuchte Jugendherberge in der ehemaligen Gestapo-Zentrale nur von 17:30-19:30 Uhr zum Check-In lädt erkundigte ich die wunderschöne Altstadt und fing an bei herrlichem Frühlingswetter am Hauptplatz die verbleibenden Blogeinträge zu schreiben.

Fussball, Österreich, Bundesliga, neuer Ground
24.03.12 SC Wiener Neustadt – SV Ried
1:1 (0:0), 1’700 Zuschauer, Wiener Neustädter Stadion, Wiener Neustadt

Nachdem ich endlich einchecken konnte marschierte ich die rund 2.5 Kilometer zum Stadion, welches abgesehen von der Haupttribüne ziemlich provisorisch daherkommt. Der geplante Neubau dürfte nach dem Ausstieg des Hauptsponsor Magna wohl auch nicht mehr realisierbar sein. Bekannt wurde das Stadion übrigens nicht durch Fussball sondern durch den Grossen Preis von Österreich in der Motorsportart Speedway. Doch seit dem Aufstieg des SC finden keine Rennen mehr statt.

Zu Spielbeginn fanden sich etwa 1‘700 Zuschauer ein, davon überraschend wenige aus Oberösterreich. Da die Gäste aus dem Innkreis als drittplatzierte sogar noch gute Chancen auf den Titel haben hätte ich an einem Samstagabend deutlich mehr als die rund 50 Nasen erwartet. Doch auch die Fanszene von Wiener Neustadt gab ein trauriges Bild ab. Immerhin wurden die 30 Teenies zwischendurch überraschend laut und als kurz vor schluss der Ausgleich für die Gastgeber fiel wurde das Team noch einmal so richtig angefeuert.

Nach einer geruhsamen Nacht im Einzelzimmer schleppte ich mich um 8:00 zum Frühstück. Es waren zwar einige Leute im Frühstückssaal, doch es war mucksmäuschenstill, denn es handelte sich dabei um eine Gehörlosenfussballmannschaft aus dem deutschen Ludwigsburg. Nach einer kräftigen Dusche machte ich mich auf zum Bahnhof, von wo es mit dem Regionalzug nach Ungarn ging.

Am Bahnhof Sopron wurde erst einmal Geld gewechselt, eine Fahrkarte gekauft und etwas im kostenlosen WiFi gesurft. Dann brachte mich die Raaberbahn für 1‘680 HUF nach Győr.

Fussball, Ungarn, Nemzeti Bajnokság 1, neuer Ground
25.03.12 Győri ETO FC – Paksi FC
4:1 (0:0), ca. 2’000 Zuschauer, ETO Park, Győr

Nachdem ich etwas im schönen Städtchen an der Raab herumschlenderte lief ich die ordentliche Strecke zum Einkaufszentrum ETO Park. Das Stadion von ETO Győr und die Shopping Mall wurde nämlich zusammen gebaut. Für 1‘000 HUF gab es einen Sitzplatz auf der Gegengeraden. Schon beim Betreten des Stadions musste ich mich etwas gedulden: „Police, no good, bomb…“ probierte ein Ordner zu erklären. Nach 2 Minuten durfte ich dann doch rein und holte mir erst einmal ein Bierchen. Doch da kamen plötzlich Beamte mit Spürhunden: „Finish, bomb, go home!“ hiess es diesmal. Das Stadion wurde also aufgrund einer Bombendrohung geräumt. Wann und ob angepfiffen würde wusste niemand so genau.

Vor dem Stadion lernte ich den englischen Groundhopper Stephen und seine Frau kennen. Sie waren auf Urlaub in Budapest und fuhren von dort aus zum heutigen Spiel. Gemeinsam beschlossen wir in der Eckkneipe auf weitere Infos zu warten. Irgendwann hiess es dann das Spiel würde um 18:00, also mit 2 Stunden Verspätung angepfiffen werden.  Wir betraten das Stadion also noch einmal, aber nicht ohne dieses Mal von einer Spezialeinheit des Militärs durchsucht zu werden.

Das Spiel, welchem Stephens Gattin mit Kopfhörern im Ohr beiwohnte war gar nicht so übel, fielen doch immerhin 5 Tore. Fantechnisch war jedoch kaum etwas erwähnenswert, schon gar nicht was die Gäste angeht. Mit dem Bus schaffte ich gerade noch den Anschluss an den altbewährten Euronight „Wiener Walzer“, der mit der üblichen Verspätung zwischen Budapest und Zürich verkehrt. Mein Schlafwagen wurde allerdings erst in Wien angehängt. Über Nacht erreichte ich also wieder die Schweiz, mit immerhin 3 ansehnlichen Grounds im Gepäck.



Ein Montag in Annecy.

26 10 2010

Fussball, Frankreich, Ligue 2, neuer Ground
25.10.10 Évian Thonon Gaillard FC – CS Sedan Ardennes
2:2 (1:0), 4’513 Zuschauer, Parc des Sports, Annecy

Relativ spontan konnte ich mich für einen montäglichen Ausflug an den Lac d’Annecy begeistern, genauer in die Stadt welche dem See seinen Namen leiht. Annecy ist die Hauptstadt des Départements Haute-Savoie und liegt rund 45 Kilometer südlich von Genf. Mitfahrer am heutigen Tag war mein „Nachbar“ Beat, unterwegs zu seinem ersten Spiel im Ausland.

Nach einem ausgedehnten Bummel durch das mittelalterliche Städtchen und einem einfachen aber köstlichen französischen Abendessen machten wir uns auf den Weg zum Parc des Sports. Hier trägt der diesjährige Aufsteiger in die Ligue 2, der Évian Thonon Gaillard FC seine Heimspiele aus.

Évian Thonon Gaillard FC ist der inzwischen vierte Name des Fusionsvereins, welcher den ehemaligen französischen Nationalspielern Zinédine Zidane, Bixente Lizarazu und Alain Boghossian gehört. Da die eigenen Spielstätten zu klein für die zweite Liga waren musste man nach Annecy ausweichen, da zuvor ein Umzug ins Stade de Genève von der UEFA verweigert wurde.

Der Parc des Sports verfügt über zwei mächtige Tribünen, von denen am heutigen Abend zumindest eine gut ausgelastet war. Die Kurven bestehen aus Betonstufen. Insgesamt fanden sich 4’513 Zuschauer zu diesem Fernsehspiel gegen den CS Sedan ein. Die Gäste aus den Ardennen waren mit gerade mal 15 – 20 Leuten angereist hauptsächlich Eltern mit Kindern. Ein paar weitere fanden sich auf der Hauptribüne ein. Die Heimfans waren auf zwei Gruppen verteilt, die Ultras und der normale Fanclub. Beide machten Stimmung wie es in dem kleinen Rahmen halt möglich war, man kam sich aber eher gegenseitig in die Quere.

Das Spiel war durchaus unterhaltsam, fand aber zum Teil unter irregulären Bedingungen statt. Der Wind war so stark dass des öfteren ein Ball beim Torabstoss auf halbem Wege zurück zum Ausgangspunkt flog. Nach der Führung zur Pause per Elfmeter gelang den Gästen nach dem Seitenwechsel der Ausgleich auf dieselbe Weise. Etwas später erhöhten sie gar auf 1:2. In Unterzahl erkämpften die Hausherren kurz vor Abpfiff das verdiente 2:2.

Eine Machtdemonstration sondergleichen boten einmal mehr die Möchtegernrambos mit der Aufschrift „Securité“. Nachdem ein Herr mittleren Alters nach dem Toilettenbesuch sein Ticket für die Gegentribüne nicht mehr fand wurde er von 6 (!) Ordnern auf den Boden geworfen und aus dem Stadion gezerrt, wo er der Gendarmerie übergeben wurde. Dies notabene keine 10 Minuten vor Spielende…